2015-11-28 05:30

Im Altersheim werden ­bis zu 120 Flüchtlinge Platz finden

Zollikon

Nächsten Sommer wird das heutige Pflegeheim Am See in ein Asylzentrum umfunktioniert. Gemeindepräsidentin ­ Katharina Kull-Benz erklärt die Beweggründe.

Das Pflegeheim Am See in Zollikon wird für etwa zwei Jahre als Durchgangszentrum für 80 bis 120 Personen genutzt.

Das Pflegeheim Am See in Zollikon wird für etwa zwei Jahre als Durchgangszentrum für 80 bis 120 Personen genutzt.

(Bild: Manuela Matt)

  • Andrea Schmider

Diese Woche fiel der Entscheid, das Pflegeheim Am See zwischenzeitlich als Asylunterkunft zu nutzen. Welche weiteren Optionen wurden geprüft?

Katharina Kull-Benz: Ein Studentenwohnheim oder das temporäre Vermieten an eine Pflegein­sti­tu­tion wären weitere Möglichkeiten gewesen. Wir haben alle Vor- und Nachteile erwogen und sind zum Schluss gekommen, dass eine Flüchtlingsunterkunft die ideale Zwischennutzung ist.

Weshalb ist ein Durchgangszentrum die beste Option?

Der Zürcher Sicherheits­direk­tor Mario Fehr war erfreut über unsere Anfrage. Die Rahmen­be­din­gungen werden zurzeit geklärt. Vorgesehen ist, nach dem Auszug der Pensionäre im Frühling 2016 einfach den Schlüssel zu übergeben. Das kantonale Sozialamt übernimmt die Verantwortung für bauliche Anpassungen, den Betrieb und die Kosten.

Wie viele Flüchtlinge werden in das neue Durchgangs­zentrum einziehen?

Je nachdem, wie dicht das Haus belegt werden soll, finden 80 bis 120 Personen darin Platz. Wir hoffen, bald zu wissen, wie viele Leute kommen werden, in welcher Konstellation und aus welchen Ländern.

Seit September leben im Durchgangszentrum auf dem Oberstufenareal rund 80 Flüchtlinge. Offenbar kam es zu Sympathiebekundungen. Wie sahen diese konkret aus?

Zolli­ker brachten Spielsachen und Winterkleider. Ein High­light war, wie ich gehört habe, ein Blech voller frisch gebackener Brownies. Die Organisation, welche ­ die Flüchtlinge betreut, war überrascht von den zahlreichen spontan geäusserten Unterstützungsangeboten. Diese müssen nun kana­lisiert und geprüft werden.

Wurden auch kritische Stimmen laut?

Nein, keineswegs. Es ist schön, ­ zu sehen, wie die Bevölkerung ­Anteil nimmt. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Zivilschutz­anlage von Asylsuchenden bewohnt wird. Auch in früheren Jah­ren kam es nie zu unangenehmen Zwischenfällen. Höchstens, dass einmal das Warmwasser im Schulhaus knapp wurde. Ich bin gespannt, wie die Zolli­ker auf ­ das zweite Durchgangszentrum reagie­ren werden. Falls Beden­ken laut würden, werden wir diese sehr ernst nehmen.

An wen müssten sich Personen mit Bedenken wenden?

Da dies noch nie vorkam, gibt es keine eta­blier­te Anlaufstelle. Man kann sich sowohl an die betreuende Organisation – die ORS – oder direkt an die Gemeinde wenden.

Muss Zolli­kon neben der Erstunterbringung auch die obligatorische Aufnahmequote von 0,7 Prozent erfüllen?

Mit zwei Durchgangszentren ­leisten wir bereits einen grossen Beitrag zur Unterbringung von Flüchtlingen. Momentan ist Zol­li­kon daher nicht verpflichtet, weitere Asylsuchende aufzunehmen. Das kann sich aber natürlich jederzeit ändern.

Das heisst, die Kosten für die Betreuung werden vom Kanton übernommen?

Ja, in finanzieller Hinsicht wird die Gemeinde entlastet. Doch orga­nisatorisch kommen immer wieder neue Aufgaben auf uns zu. Zum Beispiel soll nun innerhalb einer Woche eine Schulklasse für die Kinder im Durchgangs­zen­trum geschaffen werden.

Für ein bis zwei Jahre soll ­ die Liegenschaft am See als Asylzentrum genutzt werden. Was geschieht, wenn sie ­ schon vor Ablauf dieser Frist verkauft werden könnte?

Auch wenn schon nächstes Jahr entschieden wird, dass das Grund­stück verkauft werden darf, heisst das nicht, dass gleich alle Bewohner ausziehen müssen. Zuerst muss die Liegenschaft aus­geschrieben und ein Käufer gefunden werden. Nach Verkaufsabschluss, denken wir, wird der Käufer wohl kaum schon mit einem pfannenfertigen Bauplan dastehen. Das braucht alles Zeit.

Wie stellen Sie sich ­ die Nutzung der Liegenschaft ­ in Zukunft vor?

Wenn es zu einem Verkauf kommen sollte, wären Wohnungen oder Büroräume möglich – oder eine Mischnutzung. An der Gemeindeversammlung wurde ein Mindestverkaufspreis von 10 Millionen Franken festgelegt. Wir werden sehen, wie viel die Interessenten bereit sind, zu zahlen.

Ein Asylzentrum mit ­ See­sicht – könnte das auch ­ zu Neid führen?

Das glaube ich nicht, obwohl ­ wir uns bewusst sind, dass es ­ eine wunderschöne Anlage ist. Der Seeanstoss bleibt ja für die Öffentlichkeit zugänglich. Dieser Teil des Grundstücks soll auch ­ in Zukunft nicht verkauft werden. Das Haus eignet sich gut für die Unterbringung von Flüchtlingen. Daher freuen wir uns, dass wir ­ die Sicherheitsdirektion so unterstützen können.

Wie hoch wären die Kosten ­ für die Gemeinde gewesen, wenn die Liegenschaft ­ leer gestanden wäre?

Das kann ich nicht genau beziffern. Allerdings waren für uns nicht nur die Kosten ausschlaggebend. Zu befürchten ist bei leer stehenden Häusern eine mög­liche Besetzung. Wir wollten aber, dass das Haus sinnvoll ­genutzt wird.

Zürichsee-Zeitung