2017-06-27 16:45

Langnauer setzen Thalwil im Flutlichtstreit ein Ultimatum

Langnau

Mit einer IG und einem neuen Gutachten wollen die Langnauer Druck auf Thalwil ausüben. Dieses lässt sich aber im Streit um die Flutlichter der Sportanlage Brand nicht gross beeindrucken.

Der Stein des Anstosses: Die Flutlichtanlage der Sportanlage Brand in Thalwil. Langnauer Bewohner der Glärnischstrasse und der Oberrenggstrasse monieren, dass die Flutlichter störend auf das Dorf hinunter blenden.

Der Stein des Anstosses: Die Flutlichtanlage der Sportanlage Brand in Thalwil. Langnauer Bewohner der Glärnischstrasse und der Oberrenggstrasse monieren, dass die Flutlichter störend auf das Dorf hinunter blenden.

(Bild: Steve Springer)

  • Pascal Münger

Alleine ging es nicht. Nun wollen sie zusammen auftreten. 20 Langnauerinnen und Langnauer haben sich kürzlich zur Interessengemeinschaft «IG Flutlichtanlage Brand» zusammengeschlossen. Mit dabei und federführend ist Gemeinderat Rolf Schatz (GLP). Gemeinsam wollen sie versuchen, Druck auf die Thalwiler auszuüben, damit diese etwas gegen die Flutlichter machen, die von der Sportanlage Brand auf das Dorf hinunter blenden.

«Seit Jahren versuchen einzelne Betroffene etwas in Thalwil zu bewirken.»Rolf Schatz, Langnauer Gemeinderat (GLP)

«Seit Jahren versuchen einzelene Betroffene an der Glärnischstrasse oder der Oberrenggstrasse etwas in Thalwil zu bewirken», sagt Rolf Schatz. «Thalwil interessiert die Lichtbelästigung aber nicht.» Er bedauere, dass bis heute noch kein Exekutivmitglied des Gemeinderates Thalwil sich die Situation eines Betroffenen persönlich angeschaut habe. In diesem Zusammenhang müsse auch erwähnt werden, dass der zuständige Liegenschaftenvorstand Andreas Federer (CVP) sich zu diesem Thema noch nie geäussert habe. «Das sagt ja auch etwas aus», findet Schatz. «Wäre ein Thalwiler Eigenheimbesitzer betroffen, würde es der Thalwiler Gemeinderat nie akzeptieren.»

Erneut ein Gutachten

Der Gemeinderat von Langnau hat nun ein Gutachten erarbeiten lassen, das die Problematik und die rechtlichen Möglichkeiten aufzeigen soll. In erster Linie ist das Gutachten aber natürlich auch ein Gegengutachten. Denn vor rund einem Jahr haben die Behörden in Thalwil die Lichtemission ebenfalls professionell abklären lassen. Damals zitierten die Thalwiler aus ihrem Gutachten, dass die Sportanlage rechtlich gesehen keine Grenzwerte bei den Lichtemissionen erfüllen müsse, weil beim Bau vor rund 20 Jahren keine Lichtstärken definiert worden seien.

Eine Erleichterung für die Langnauer würde nur ein kompletter Umbau der Beleuchtungsanlage mit niedrigeren Masten bringen – da sich der Kostenvoranschlag dafür auf 130 000 Franken belaufe, verzichte man mit Blick auf die angespannte Finanzlage auf eine Erneuerung.

Optimaler Zeitpunkt

Die Verantwortlichen des Langnauer Gutachtens kommen nun zum Schluss, dass man Thalwil durchaus auch auf dem rechtlichen Weg dazu zwingen könnte, die Lichtbelastung für die Langnauer zu minimieren. Ein Hauptargument dabei ist, dass Thalwil den betroffenen Dorfabschnitt in Langnau als Zone E3 (Gewerbe und Wohnzone) eingestuft hat. Richtig gemäss Langnau wäre aber Zone E2 – also eine reine Wohnzone. Unter diesem Blickpunkt betrachtet, würden engere Normen gelten.

«Es ist ja nicht so, dass wir unsere Nachbarn absichtlich verärgern», sagt Fankhauser.Märk Fankhauser, Gemeindepräsident von Thalwil (FDP).

Motiviert durch die neuen Erkenntnisse will Schatz die gegründete Interessengemeinschaft nun weiter anwachsen lassen. Deshalb werden die Bewohner des betroffenen Quartiers in den nächsten Tagen einen Werbebrief der IG erhalten.

Aber auch die Gemeinde Thalwil wird Post erhalten: Mit einem sogenannten Abmahnschreiben, das von der Gemeinde Langnau wie auch den Mitgliedern der Interessengemeinschaft unterschrieben ist, soll Thalwil nochmals aufgefordert werden, die Flutlichtanlage im Brand umzubauen.

Der Zeitpunkt dafür ist optimal, glaubt Rolf Schatz. Denn wie jede andere Gemeinde arbeite auch Thalwil momentan am Budget für das kommende Jahr. Die Kosten für die Erneuerung der Flutlichtanlage könnten jetzt noch berücksichtigt werden.

Sollte sich Thalwil weiterhin weigern, die Arbeiten anzugehen, will Schatz den Fall mit seinen Mitstreitern an den Bezirksrat weiterziehen. «Die Zeiten sind vorbei, in denen Thalwil das Problem auf die lange Bank schieben kann», sagt er.

Weniger Licht für Reinigung

In Thalwil ist man sich der Problematik zwar bewusst, verweist aber weiterhin auf die schiefe Finanzlage der Gemeinde. «Im Herbst kommt ein Kredit über rund 400'000 Franken für ein neues Clubhaus des Fussballclubs auf der Anlage Brand II zur Abstimmung», sagt der Thalwiler Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP). Die Leichtathletikanlage Brand I, die vor allem für die Lichtemissionen verantwortlich ist, stehe nicht im Fokus von Erneuerungsarbeiten.

Für Thalwil ist die Zonenzuordnung klar eine Sache des Ermessens. Die Gemeinde will den Langnauern aber dennoch entgegenkommen. «Es ist ja nicht so, dass wir unsere Nachbarn absichtlich verärgern», sagt Fankhauser. Die Sportanlage Brand habe ihre Berechtigung und werde von zahlreichen Sportlern rege genützt. «Bereits jetzt schalten wir nach 22 Uhr die Flutlichter teilweise aus, und die Reinigungsarbeiten werden mit weniger Licht verrichtet», sagt Fankhauser.

Weitere Zugeständnisse wird es aber von Thalwiler Seite nicht geben. Damit zeichnet sich ab, dass der Flutlichtstreit zwischen Langnau und Thalwil ein Fall für den Bezirksrat wird. Denn Rolf Schatz macht klar, dass die IG erst dann zufrieden sein wird, wenn Thalwil die Anlage umbaut.

Zürichsee-Zeitung