2016-02-05 06:45

Stromleitung soll in den Boden

Wädenswil

Die Axpo will die Kapazität ihrer Stromleitung im Wädenswiler Berg mehr als verdoppeln. Die Grundeigentümer verlangen, dass die Kabel in den Boden verlegt werden. Sie haben sich organisiert.

Hochspannungsleitungen im Wädenswiler Berg: Sie stören das Landschaftsbild und stehen den Landwirten im Weg, finden die Grundeigentümer.

Hochspannungsleitungen im Wädenswiler Berg: Sie stören das Landschaftsbild und stehen den Landwirten im Weg, finden die Grundeigentümer.

(Bild: Michael Trost)

  • Daniela Haag

Die Axpo baut ihr Verteilnetz schrittweise von 50 auf 110 kV aus. Nun ist der Abschnitt von Horgen bis zum Unterwerk Wädenswil an der Reihe. Die betroffenen Landbesitzer haben Dienstbarkeitsverträge von der Axpo erhalten. Mit diesen Verträgen will sich die Axpo das Durchleitungsrecht für eine Freileitung sichern. Laut Vertrag erhalten die Grundeigentümer eine Entschädigung. Die Axpo kann aber die bestehende Freileitung umbauen oder ersetzen.

Diese Kröte wollen die Landeigentümer nicht schlucken. Sie haben sich am Mittwochabend getroffen und waren sich schnell einig, dass die neue Verteilleitung in den Boden verlegt werden soll. Sie haben eine Interessengemeinschaft gegründet, der 16 Landeigentümer beigetreten sind. Weitere Betroffene werden kontaktiert und können sich der IG anschliessen.

Störend und unschön

Die Freileitung stört nicht nur optisch in der mit Mooren durchsetzten Kulturlandschaft. Die Grundeigentümer – die meisten sind aktive Landwirte – haben wegen ihr auch einen Mehraufwand, weil die Masten bei der Bewirtschaftung im Wege stehen. Sie befürchten zudem eine Wertminderung ihrer Liegenschaft sowie Elektrosmog. Die Leitung schränkt sie ein. So kann ein Landwirt beispielsweise einen mobilen Hühnerhof wegen der Leitung nicht so platzieren, wie er beabsichtigt hatte. «Der Zeitpunkt für eine Erdverkabelung ist sehr günstig», sagt Susanna Kramer, die Sprecherin der Gruppierung. Der Kanton erneuere die obere Bergstrasse. Die Axpo könnte diese einmalige Gelegenheit nutzen und im Rahmen dieser Bauarbeiten entlang der Strasse eine Erdverkabelung legen.

Die Wädenswiler wollen sich auf die Erfahrungen ihrer Horgner Nachbarn abstützen. Die Horgner konnten sich kürzlich mit der Axpo auf eine Erdverkabelung einigen. Deshalb war an der Gründungsversammlung ein Vertreter der Horgner IG Lebensraum zu Gast. Er erzählte, wie sich in Horgen der Widerstand gegen den Ausbau der Starkstromleitung formierte und sich die IG organisierte.

Politik gefordert

Die Horgner wurden vom Gemeinderat von Anfang an unterstützt, wie der Vertreter bemerkte. Dies sei eine grosse Hilfe gewesen. Diesen Support wünschten sich auch die Wädenswiler vom Stadtrat. Der Wädenswiler Berg werde von der Politik vernachlässigt, wurde kritisiert. Die Bevölkerung und ihre Anliegen würden oft nicht ernst genommen.

Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) sagt, er habe volles Verständnis für das Anliegen. Auch er würde sich eine Erdverkabelung wünschen. Die Axpo habe aber der Stadt deutlich gemacht, dass sie im Wädenswiler Berg bei den Freikabeln bleiben wolle. An eine Erdverkabelung müsste Wädenswil 3 bis 5 Millionen Franken bezahlen. «Ich bin skeptisch, ob diese Investition in unserer aktuellen finanziellen Lage politisch realistisch ist», sagt er.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Philipp Kutter sagt, er sei bereit, die Axpo und die Grundeigentümer für Verhandlungen an einen Tisch zu bringen. Die Stadt sei selber betroffene Landbesitzerin und habe den Vertrag mit der Axpo auch noch nicht unterschrieben. Ob es wie in Horgen zu einer Einigung kommt, sei fraglich.

Denn dort lenkte die Axpo vor allem ein, weil die Freileitung zu einem grossen Teil durch eine Landschaft führe, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) verzeichnet ist. Dies ist in Wädenswil nicht der Fall.

Im Wädenswiler Berg wachsen nicht nur viele Hochstammbäume in die Höhe, sondern auch Strommasten. Die Betonmasten der Axpo-Verteilleitung sind noch nicht einmal die höchsten. Dem EWZ gehört die um einiges dominantere Gittermastleitung, deren Kapazitätsausbau ebenfalls geplant ist. Diese beiden Leitungen laufen teils parallel zueinander. Zu ihnen gesellt sich noch eine kleinere Leitung mit Holzmasten, die in absehbarer Zeit in Rohren verschwinden wird.

Zürichsee-Zeitung