2017-10-05 20:35

Hochspannungsleitung kommt vielleicht doch unter den Boden

Wädenswil

Bewohner, Stadt und Umweltverbände wehren sich gegen die Hochspannungsleitung der Axpo im Wädenswiler Berg. Nun dürfte ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Der Energiekonzern will eine Erdverlegung der Kabel prüfen.

Die Axpo-Starkstromleitung und ihre Betonmasten werden aus dem Landschaftsbild des Wädenswiler Bergs womöglich verschwinden.

Die Axpo-Starkstromleitung und ihre Betonmasten werden aus dem Landschaftsbild des Wädenswiler Bergs womöglich verschwinden.

(Bild: Michael Trost)

  • Markus Hausmann

Die Nachricht kommt wie aus dem Nichts: Der Energiekonzern Axpo überprüft, ob sich der 4,5 Kilometer lange Abschnitt seiner Starkstromleitung in Wädenswil in den Boden verlegen lässt.

Geplant war eigentlich nur ein teilweiser Umbau der bestehenden Freileitung, damit diese neu mit 110 statt 50 Kilovolt betrieben werden kann. Doch nun hat die Axpo das dafür notwendige «Plangenehmigungsverfahren bis auf Weiteres unterbrochen», wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.

«Erfreuliche Nachricht»

Die Axpo vollzieht damit eine überraschende Kehrtwende. Bis anhin beteuerte sie gegenüber den Bewohnern des Wädenswiler Bergs stets, dass eine Erdverkabelung aus Kostengründen nicht möglich sei. Diese liessen das Argument jedoch nicht auf sich sitzen. Als IG «Starkstromleitung in den Boden» kämpfen seit 2016 mehrere Dutzend Bewohner gegen die Freileitung. Die direkt betroffenen Landbesitzer unter ihnen haben letzten Winter gar Einsprache gegen das bisherige Projekt eingereicht und wurden dabei von WWF und Pro Natura unterstützt. Ihr Missfallen an der Freileitung brachten viele Grundeigentümer auch zum Ausdruck, indem sie die auslaufenden Dienstbarkeitsverträge der Axpo nicht unterschrieben. Auch die Stadt Wädenswil als Landbesitzerin leistete auf diesem Weg Widerstand. Zudem unterstützte sie die juristische Arbeit der IG mit 2000 Franken. «Die jetzige Nachricht der Axpo ist sehr erfreulich», sagt Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP). Die IG ihrerseits war am Donnerstag nicht erreichbar.

Dass der Stromkonzern bei seinem Projekt im Wädenswiler Berg nun plötzlich den Stecker zieht, hat allerdings nicht mit der lokalen Opposition zu tun. Grund sind laut Axpo geänderte Vorschriften für den Umbau von Freileitungen. Im Wädenswiler Fall würden die neuen Anforderungen mehr bauliche Massnahmen verlangen als im bisherigen Projekt eingeplant waren. «Zum Beispiel müssten wir deutlich mehr Masten ersetzen», sagt Axpo-Sprecher Ueli Walther. Damit würde das Projekt auch um einiges teurer.

Monatelanger Prozess

Hinzukommt die sogenannte Strategie Stromnetze des Bundes, die in den kommenden Jahren in Kraft treten wird. Sie verlangt, dass Stromleitungen, die umgebaut werden, in die Erde verlegt werden. Dies, sofern eine Erdverlegung weniger als dreimal so viel wie ein Umbau kostet und technisch und betrieblich möglich ist.

In Wädenswil trifft dies – wegen der erhöhten Kosten für das ursprüngliche Projekt – mutmasslich zu. Deshalb erarbeitet der Stromriese nun ein neues Projekt, um die Machbarkeit der Erdverkabelung zu prüfen. «Dabei werden wir alle Teilaspekte wie Technik, Wirtschaftlichkeit, Raumentwicklung und Umwelt berücksichtigen», sagt Walther. Diese Arbeit werde mehrere Monate dauern. Ob und wann die Leitung definitiv vom Himmel in den Boden versetzt wird, sei noch offen.

Zürichsee-Zeitung