2018-09-18 06:30

Bundesrat gibt dem Dalai Lama einen Korb

Zell

Wenn der Dalai Lama am Freitag in der Schweiz landet, stehen für ihn an vier Tagen mehrere Auftritte an. Einige Politiker haben eine Einladung dazu aber abgelehnt.

Der Dalai Lama besuchte das Tibet-Institut in Rikon letztmals 2013. Der Andrang war gross. Bei den Politikern sieht das teilweise anders aus.

Der Dalai Lama besuchte das Tibet-Institut in Rikon letztmals 2013. Der Andrang war gross. Bei den Politikern sieht das teilweise anders aus.

(Bild: Marc Dahinden)

  • Jonas Gabrieli

250 bis 700 Franken: So viel zahlt man derzeit auf der umstrittenen Ticket-Plattform Viagogo, um den Dalai Lama am Samstag in der Winterthurer Eulachhalle zu sehen. Die 50-Jahr-Feier des Tibet-Instituts Rikon ist offiziell ausverkauft.Der Bundesrat hätte gratis kommen und den Friedensnobelpreisträger in der Schweiz begrüssen können. Doch er hat die Einladung abgelehnt. Bundesratssprecher André Simonazzi sagt auf Anfrage: «Die Magistratspersonen erhalten sehr viele Anfragen für Auftritte und Einladungen. Sie können nur einem Bruchteil davon Folge leisten.»

In seiner Funktion als Friedensnobelpreisträger und spirituelles Oberhaupt sei der Dalai Lama in der Schweiz aber willkommen. Die Besuche des Dalai Lama seien spirituell motiviert und keine offizielles Arbeitstreffen zwischen Staatsvertretern. Seit 2011 steht der Dalai Lama nicht mehr an der Spitze der tibetischen Exil-Regierung, mit der die Schweiz keine diplomatischen Beziehungen pflegt.

Künzle nimmt Einladung an

Andere Politiker werden den Dalai Lama an der Feier aber treffen. Darunter auch die beiden SP-Regierungsräte Jacqueline und Mario Fehr. Letzterer wird dabei eine Grussbotschaft der Zürcher Regierung überbringen, wie Regierungssprecher Andreas Melchior sagt. Interventionen von chinesischen Vertretern, diesen Auftritt zu verhindern, sind ihm nicht bekannt.

Auch der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) wird eine Grussbotschaft überbringen: «Damit bekundet die Stadt Hochachtung und Respekt gegenüber dem Tibet-Institut, das vielen Tibetern in der Schweiz zu einem unverzichtbaren Teil ihres kulturellen und religiösen Lebens geworden ist.» Man anerkenne auch die grossen Bemühungen des Instituts für einen Austausch zwischen Ost und West. «Dies steht im Vordergrund.» Die Tibeter hätten sich in unserer Gesellschaft integriert, man habe da keine Berührungsängste. Dass man auch mit chinesischen Städtevertretungen oder grossen Unternehmen immer wieder Kontakt habe, schliesse sich nicht aus. Künzle war dem Dalai Lama bereits einmal im Kloster in Rikon begegnet.

Absage von Corinne Mauch

Im Gegensatz zu Winterthur wird die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch (SP) den Dalai Lama bei seinem Auftritt im Hallenstadion am Sonntag nicht treffen, trotz Einladung. Dafür hätte im Terminkalender aktiv Platz geschaffen werden müssen, sagt Sprecher Nat Bächtold. Der Abstimmungssonntag und die Bedeutung der Vorlage «7 statt 9» habe beim Abwägen der Terminsituation einen Einfluss gehabt. Mauch traf den Dalai Lama zuletzt 2016, zusammen mit Ratskollege Richard Wolff (AL).

Die neue Zeller Gemeindepräsidentin Regula Ehrismann wird am Freitag als Ehrengast im Tibet-Institut empfangen und einer buddhistischen Zeremonie im Kloster beiwohnen, wie dies 2013 auch Vorgänger Martin Lüdin tat. Für Ehrismann stand eine Ablehnung der Einladung nie zur Debatte. «Wir leben zusammen. Die Tibeter gehören schon lange zur Gemeinde Zell.» Auf die politische Brisanz angesprochen sagt sie: «Es ist ja kein politisches Treffen.»

Landbote